Schaden

Führt autonomes Fahren zu niedrigem Schadenaufwand?

Das autonome Fahren gilt als einer der bedeutendsten Treiber für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Für die Versicherungswirtschaft ist dabei insbesondere eine Frage zentral: Wie verändert sich die Schadenhäufigkeit und -höhe.

Zahlreiche Studien und Marktanalysen zeigen ein klares Bild: Mit zunehmendem Automatisierungsgrad sinkt die Anzahl der Unfälle. Der Grund liegt vor allem im Wegfall menschlicher Fehlentscheidungen, die heute die häufigste Unfallursache darstellen. Moderne Sensorik, permanente Umfeldüberwachung und automatisierte Reaktionen ermöglichen es autonomen Systemen, kritische Situationen früher zu erkennen und zu vermeiden.

Konkrete Daten aus Pilotprojekten unterstreichen die Annahmen. So weisen autonome Fahrzeuge in Testflotten signifikant geringere Unfallraten sowie deutlich weniger Unfälle mit Personenschäden auf als menschlich gesteuerte Fahrzeuge.

Für Deutschland wird im Zuge der zunehmenden Automatisierung eine Reduktion der Unfallzahlen um etwa 10 Prozent als realistisch eingeschätzt.

Allerdings zeigt die Praxis auch Grenzen der Technologie. Insbesondere in komplexen Verkehrssituationen, bei schlechten Lichtverhältnissen, schlechter Witterung (Eis, starker Niederschlag) oder in dynamischen Szenarien, sind autonome Systeme anfälliger als menschliche Fahrer. Zudem hängt der tatsächliche Effekt stark von der Marktdurchdringung ab: Solange autonome Fahrzeuge nur einen kleinen Anteil am Gesamtbestand ausmachen, bleibt der Einfluss auf die Gesamtstatistik begrenzt.

Für Versicherer ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Während die Schadenhäufigkeit sinkt, verändern sich gleichzeitig die Ursachen und Verantwortlichkeiten. Klassische Fahrerfehler treten in den Hintergrund, während technische Defekte, Softwarefehler oder Systemgrenzen stärker in den Fokus rücken.

Fazit: Autonomes Fahren wird die Schadenhäufigkeit langfristig deutlich reduzieren. Für die Versicherungsbranche bedeutet dies jedoch keinen einfachen Rückgang der Risiken, sondern eine strukturelle Verschiebung – von häufigen, kleineren Schäden hin zu selteneren, aber komplexeren Schadenereignissen. Ob sich hierdurch die Höhe der Schadenaufwendungen reduzieren lässt, bleibt abzuwarten.

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Simone Weiß
Industrie-Team

Simone Weiss

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